© 2016 Till Tolkemitt
 

„Entrepreneurs in Residence“

October 3, 2016

 

 

Mein alter Arbeitgeber, die Boston Consulting Group, setzt eine gute Idee in die Realität um. Dass das Internet, und alles was damit in Verbindung steht, gerade jedes herkömmliche Geschäftsmodell auf den Kopf stellt, ist nichts Neues. Oftmals habe ich aber trotzdem erlebt, wie schwer es eingesessenen Unternehmen fällt, das zu realisieren und auch auf das eigene Geschäft zu beziehen. Und selbst, wenn die Erkenntnis da ist, ist es alles andere als einfach, aus einem herkömmlichen Unternehmen ein „Internet-Unternehmen“ zu machen. Kultur, Denkweise, Budgets, Know-how: Alles irgendwie unpassend. Oft hat man auch nicht die richtigen Leute dafür im Unternehmen. BCG macht mit BCG Digital Ventures (www.bcgdv.com) jetzt folgendes: Sie entwickeln mit ihren Klienten zusammen technologiebasierte Geschäftsideen, die eine hohe Relevanz für den jeweiligen Markt des Kunden haben - solche Ideen entstehen ja regelmäßig im Rahmen von Strategieprojekten quasi nebenbei. Anstatt den Klienten dann aber allein zu lassen, gründen Sie mit ihm zusammen ein Joint Venture, das die Organisation und die dort ansässigen „Entrepreneurs in Residence“ von BCGDV nutzt. Also eine Start-up-Schmiede, die die Ressourcen und Talente von BCG (und welche von außen) nutzt. Die so gegründeten Start-ups sind zunächst aber nicht innerhalb der Fortune 500-Unternehmen angesiedelt, die BCG berät und mit denen sie das Joint Venture gründen, sondern bei BCGDV. Später, wenn die Gründungen bewiesen haben, dass sie funktionieren, werden sie in das jeweilige Unternehmen integriert - und die ursprüngliche Gründer gehen von Bord und werden von Managern ersetzt.

 

Wie oft habe ich mit Freunden zusammengesessen und besprochen, was wir für großartige neue Technologie-Ideen umsetzen würden, wenn wir dieser oder jener Konzern wären („Die müssten mal das und das tun!“). Nun hat BCG eine Firma gegründet, die genau das macht: Technologie-Ideen für große und mit großen Konzernen entwickeln und diese dann hochziehen. Damit wechselt BCG auch etwas die Seiten: Vom reinen Berater zu einem Unternehmen, das sich auch mal selbst die Hände schmutzig macht. Bei den Bewertungen, die derzeit auf dem M&A-Markt gezahlt werden, kann das für BCGs Klienten auch eine kostengünstige Alternative zur Übernahme eines erfolgreichen Start-ups sein. BCG bietet also mit den Digital Ventures eine Organisation, die vielleicht dazu führt, dass sich große Unternehmen bei Make-or-Buy-Entscheidungen in Zukunft öfter „Make“ wählen.

 

Als „serieller“ Gründer mache ich teilweise das Gleiche. So bin ich zum Beispiel derzeit mit einem Unternehmen im Gespräch, das erst 10 Jahre alt ist, schon 180 Mitarbeiter hat, ca. 80 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet und dabei äußerst profitabel ist. Das Geschäftsmodell wird selbst vom Vorstand als langweilig bezeichnet - ich würde eher herkömmlich sagen, denn was so erfolgreich ist, ist in meinen Augen nicht langweilig. Dort ist das Ziel, eine, oder besser gesagt die europa-, wenn nicht weltweit erste Wissensplattform für eine sehr genau umrissene Zielgruppe aufzubauen, die die Kunden des Unternehmens bilden. Und da man das Gründer- und Internet Know-how nicht im Haus hat, sucht man jemand, der sich mit beidem auskennt. Klug dabei ist, den Zeitrahmen für das Projekt von Anfang an zu begrenzen. Denn derjenige, der etwas aufbauen kann, muss nicht notwendigerweise der Beste für das Tagesgeschäft sein.

 

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