© 2016 Till Tolkemitt
 

Vom Segen des Commitments

January 24, 2017

 

Oder: Spieltheoretisches Basiswissen für Donald Trump.

 

Im Zweifel ist alles  Verhandlung, oder anders formuliert: Ständig befinden wir uns Verhandlungssituationen, auch, wenn wir dies oftmals gar nicht realisieren. Einer der wenigen, dem das wohl sehr bewusst ist, ist Donald Trump, bei dem  alles eine Verhandlung zu sein scheit. Und zwar eine nach dem Typ „Basar“: Was Du gewinnst, verliere ich, was ich bekomme, geht zu Deinen Lasten. Ein Nullsummenspiel, bei dem derjenige obsiegt, der am härtesten Auftritt und am lautesten brüllt. Schon im Wahlkampf ging das los bei Trump - Drohungen in alle möglichen Richtungen, er wolle die Kooperationen aufkündigen und nur noch machen, was für Amerika gut sei.

 

Dabei stellt sich natürlich die Frage: Was ist denn gut für Amerika? Eigentlich ist ja zum Beispiel Freihandel nichts Mildtätiges, sondern eindeutig zum persönlichen Vorteil einer Nation. Also möchte man Trump als Verhandlungsberater zurufen: Wenn Du drohst, dann muss Deine Drohung glaubwürdig sein - sonst schwächst Du deine Position in dieser und in folgenden Verhandlungen. Denn wenn du dir mit dem Angedrohten selbst schadest, dann glaubt man nicht, dass du deine Drohung auch umsetzt. Nur ein echtes Commitment hilft, eine Drohung glaubwürdig zu machen. Das krasseste Beispiel aus der Verhandlungs- und Spieltheorie ist nachzulesen in Thomas C. Schellings (Foto) sehr lesenswertem Buch „The Strategy of Conflict“ - einem Klassiker der Spieltheorie. Dort beschreibt Schelling, der gerade verstorbene  Ökonomie-Nobelpreisträger, wie ein Kapitän im 17. Jhdt. eine Insel voller Eingeborener erobern will. Seine Besatzung fürchtet zurecht um ihr Leben, die Eingeborenen sind im Urwald versteckt und töten aus dem Hinterhalt, und so ist der Hauptfeind des Versuchs der Eroberung eigentlich, dass die Schiffsbesatzung zurück auf das Schiff flieht, sobald sie auf Gegenwehr stößt. Die Drohung, er würde jeden Feigling mit dem Tode bestrafen, bringt dem Kapitän nicht viel. Wenn er das täte, würde er seine eigene Mannschaft schwächen. Was tut der Kapitän also? Er setzt die Mannschaft in die Bote und versenkt das Schiff. Jetzt ist klar: Wer überleben will, muss kämpfen. Eine Flucht gibt es nicht mehr.

 

Trumps Weltsicht und sein Gefeilsche missachtet, dass die moderne Welt und mit Ihr die Spiel- und Verhandlungstheorie viel weiter ist. Es gibt in nahezu jeder Situation ein Ergebnis, bei dem Kooperation für beide Seiten einen Vorteil bringt. Die Welt, und schon gar nicht internationale (Handels-) Beziehungen, sind eben kein Nullsummenspiel, kein einfacher Trade-off. Und wenn es nur daran liegt, dass es kein One-Shot Spiel ist, das nur einmal gespielt wird. Nein, wir treffen immer wieder aufeinander, also ist es gut, Reputation aufzubauen und zu kooperieren, da haben alle etwas davon. Es sei denn, man ist der Meinung, dass es sich um ein „Endgame“ handelt und man danach nichts mehr miteinander zu tun hat. Dann schmeißen sich die Menschen und die Mächte alles mögliche an den Kopf - nach uns die Sintflut. Aber wie kann Trump glauben, dass er oder Amerika sich in so einer Situation befindet?

 

Nachdem ich diesen Beitrag vor 2 Tagen geschrieben habe hat Trump nun tatsächlich das eigentlich vorteilhafte transatlantische Handelsabkommen aufgekündigt. Das zeigt nur wieder, dass eine Grundannahme der Spieltheorie gelten muss, damit ihre Modelle funktionieren: Die handelnden Personen müssen intelligent (im Vollbesitz aller Informationen) und rational sein. Beides scheint bei Donald wohl nicht unbedingt der Fall zu sein.

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